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«Mythos und Musik»

Romantik wird häufig mit Gefühlseligkeit gleichgesetzt, was sogar der ursprünglichen Absicht der Namensgeber am ehesten entsprechen dürfte. Mit dem „Romanhaften“ orientierte man sich im 19. Jahrhundert wohl v.a. an der (supponierten) ritterlich-aufrichtigen Gefühlswelt der mittelalterlichen Epen. Die Romantik hat aber auch eine gewisse Lust am „Fremden“: An fernen Ländern und andersartigen Völkern und Menschen. Sie hat zudem ganz allgemein einen Sinn für das Verborgene, Abseitige. Für die „Kehrseite der Medaille“, die düsteren Seiten einer Person, Geschichte oder Landschaft. Was bei schönem Wetter als Idyll erscheint, kann unter Gewitterwolken schnell bedrohlich wirken... Diesen bisweilen abgründigen Aspekten der Epoche wollen wir ein weltliches Konzert widmen.

Düstere Mythen waren besonders dankbare Stoffe, um in Balladen poetisch aufbereitet zu werden. Diese Gedichtformen waren es, die Joseph Gabriel Rheinberger mit – wie es scheint – wohligem Schauer vertonte. Schon die Werktitel, wie z.B. „Die tote Braut“, vermögen eine Ahnung von den dunklen, sagenhaften Inhalten zu vermitteln. Erst in den letzten 20 Jahren gebührend wiederentdeckt, assoziiert man den Lichtensteiner Zeitgenossen Brahms’ immer noch in erster Linie mit geistlicher Musik. Als Kirchenmusiker haftet ihm der Ruf des eher braven Kontrapunktikers an. In den in diesem Konzert wiedergegebenen Stücken können vielleicht neue, dramatische und gefühlsstarke Seiten entdeckt werden.

Ein frühromantisches Beispiel stellt die Kantate „Johanna Sebus“ auf ein Gedicht Goethes von Carl Friedrich Zelter dar. Dieser ist v.a. als Lehrer Mendelssohns in die Geschichte eingegangen. Während er in seinen Liedern mit ihren strofenförmigen Anlagen meist im biedermeierlich-adretten verharrt, entfaltet er in dieser Kantate gerade in den Chören doch eine erstaunliche Kraft. Dies obwohl es sich eigentlich um eine Art Huldigungsgedicht handelt über eine tapfere Frau, die bei einer Überschwemmung ihr eigenes Leben opfert, um Andere zu retten.

Das vielleicht populärste Werk in unserer Zusammenstellung ist das „Zigeunerleben“ von Robert Schumann . In ihm kommt die naiv verklärte Sehnsucht nach dem Fremdländischen bestens zum Ausdruck. Ausgelöst durch die Reiseberichte Goethes war zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor allem Italien das Ziel der Träume. In der zweiten Hälfte gewann Osteuropa und die Kultur der Fahrenden immer mehr an Bedeutung.